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Firmenwebseite und Domain: Was muss im Rechnungswesen beachtet werden?

Ein Domain-Name, auch bekannt unter der Bezeichnung Internet-Adresse, ist wirtschaftlich nicht abnutzbar und damit auch kein abschreibungsfähiges Wirtschaftsgut. Der Erwerb einer Domain ist als immaterielles Wirtschaftsgut buchhalterisch zu erfassen.

Der Kauf einer Domain-Adresse

Eine Domain wird häufig von einem anderen Domaininhaber käuflich erworben. Die Internet-Adresse hat einen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg einer Webseite. Dies ist die Internetadresse, unter der sich ein Unternehmen im Internet präsentiert. Ist die gewünschte Domain bereits vergeben, werden teilweise hohe Kaufpreise gezahlt, um diese vom Inhaber zu erwerben.

Anschaffungskosten mindern nicht den Gewinn

Die Aufwendungen für den Erwerb einer Internet-Adresse sind weder sofort abzugsfähige Betriebsausgaben, noch sind sie Anschaffungskosten für ein abschreibungsfähiges Wirtschaftsgut. Der Gesetzgeber und die Rechtsprechung gehen davon aus, dass sich eine Domain wirtschaftlich nicht abnutzt, wie beispielsweise eine abschreibungsfähige Software.

Aufwendungen für den Kauf eine Internet-Adresse sind Anschaffungskosten für ein nicht abnutzbares immaterielles Wirtschaftsgut des Anlagevermögens. Die enstandenen Kosten werden im Rahmen der Gewinnermittlung in der Bilanz eines Unternehmens als aktives immaterielles Betriebsvermögen ausgewiesen. Bei der Einnahme-Überschuss-Rechnung erfolgt die Übernahme in das Anlagevermögen.

Eine Domain ist auch verkehrsfähig. Der Rechtsverkehr hat Möglichkeiten entwickelt, eine Internet-Adresse wirtschaftlich zu übertragen. Damit ist eine abstrakte Veräußerbarkeit gegeben.

BFH, Urteil vom 19.10.2006, III R 6/05, BStBl II 2007 S. 301

Aufwendungen für den Erwerb eines Domain-Namens sind Anschaffungskosten für ein nicht abnutzbares immaterielles Wirtschaftsgut, die erst im Zeitpunkt der Veräußerung oder Entnahme als Betriebsausgaben zu berücksichtigen sind.

EStG § 4 Abs. 3 S. 4; HGB §§ 255, 266 Abs. 2 Buchstabe A / 1

Die Domain ist ein einem gewerblichen Schutzrecht ähnliches Recht (FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 24.11.2011, 6 K 2154/09, EFG 2012 S. 880). Bei dem Verkauf einer Domain handelt es sich um einen Veräußerungsvorgang und nicht um eine Leistung im Tätigkeitsbereich oder im Bereich der Nutzung des Vermögens (FG Köln, Urteil vom 20.04.2010, 8 K 3038/08, EFG 2010 S. 1216).

Die Veräußerung einer Internet-Adresse ist nicht anders zu bewerten, als der Verkauf eines Patents oder der Verzicht auf die Mieterrechte bei vorzeitiger Auflösung eines Mietvertrags gegen Entgelt. Der Vorgang ist steuerbar, auch wenn er als privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG anzusehen ist oder unter eine Einkunftsart im Einkommensteuergesetz fällt.

FG Rheinland-Pfalz, Uretil vom 31.10.2007, 1 K 1941/05, DStRE 2008 S. 562

Umsatz- und Vorsteuer beim Verkauf einer Domain

Umsatzsteuerrechtlich stellt die Veräußerung einer Domain eine sonstige Leistung dar. Diese besteht darin, dass beim Domainverwalter die Internet-Adresse zu kündigen und die Übertragung und Registrierung für den Erwerber zu veranlassen sind (FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 24.11.2011, 6 K 2154/09, EFG 2012 S. 880).

Die Bestellung oder Übertragung von Rechten gehört stets zu den sonstigen Leistungen. Häufig handelt es sich zivilrechtlich um einen entgeltlichen Domainkauf in Form eines Rechtskaufs gemäß § 453 BGB bzw. eines rechtskaufähnlichen Geschäfts, da die Domain nach § 453 BGB einen so genannten sonstigen Gegenstand darstellt.

Der Verkäufer muss die in der Rechnung ausgewiesene Umsatzsteuer an das zuständige Finanzamt abführen. Der Käufer hat einen Vorsteueranspruch, resultierend aus der Rechnungslegung.

Domain als immaterielles Betriebsvermögen

Die Domain ist nach § 266 Abs. 2 Buchstabe A I 1 HGB ein immaterieller Vermögensgegenstand und damit zugleich ein immaterielles Wirtschaftsgut.

Zu diesen Vermögensgegenständen gehören neben Gegenständen auch alle vermögenswerten Vorteile eines Betriebes, die allein oder mit dem Betrieb verkehrsfähig sind.

BFH Urteil vom 26.08.1992, I R 24/91, BStBl II 1992 S. 977

Ein Domain-Name ist ein ähnliches Recht. Zu den ähnlichen Rechten und Werten gehören Positionen, die nicht unter die Begriffe Konzessionen oder gewerbliche Schutzrechte fallen, ihnen aber inhaltlich vergleichbar sind.

Der Domain-Name nur eine Internet-Adresse?

Eine Domain ist auch kein gewerbliches Schutzrecht (Patent-, Marken- oder Urheberrecht) und auch nicht hiermit vergleichbar. Patent-, Marken- oder Urheberrechte zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihrem Inhaber einen Absolutheitsanspruch gewähren, der vom Gesetzgeber begründet worden ist und nicht durch Parteivereinbarung geschaffen werden kann.

FG Münster, Urteil vom 16.09.2015, 7 K 781/14 AO, EFG 2015 S. 2028

Der Inhaber einer Internet-Adresse erwirbt an der Domain kein absolutes Recht. Eine Domain ist dagegen nur eine technische Adresse im Internet.

Eine Internet-Adresse ist allerdings mit einem gewerblichen Schutzrecht inhaltlich vergleichbar. Der Domaininhaber hat einen schuldrechtlichen Anspruch gegen die DENIC. Mit Abschluss des Vertrages über die Registrierung eines Internet-Adresse erhält der Inhaber dieser zunächst das Recht auf Aufnahme der Domain und ihrer technischen Daten in die Nameserver der DENIC.

Wer oder was ist DENIC?

Die DENIC ist eine eingetragene Genossenschaft mit Sitz in Frankfurt am Main. Ihre Mitglieder sind Unternehmen, die für ihre Kunden Domains verwalten. Die DENIC arbeitet dabei nicht gewinnorientiert, sondern versteht sich als neutraler Not-for-Profit-Dienstleister für alle in Deutschland am Internet Interessierten.