Gültigkeit der Freistellungsbescheinigung für Bauleistungen prüfen – Bauabzugsteuer von 15% vermeiden

Die Freistellungsbescheinigung aus Sicht des Auftragnehmers

Alle Unternehmen, die Bauleistungen erbringen und ihren Kunden deshalb eine Freistellungsbescheinigung vom Finanzamt für Bauabzugssteuer ausgehändigt haben, sollten die Gültigkeit dieser Freistellungsbescheinigung unbedingt regelmäßig überprüfen. Viele Freistellungsbescheinigungen verlieren zum Jahreswechsel ihre Gültigkeit.

Folgende Unternehmen sollten den Check ihrer Freistellungsbescheinigung durchführen.

  • Unternehmen, die Bauleistungen im Auftrag gegeben haben
  • Zusammenschlüsse von Unternehmen, z. Bsp. Personengesellschaften oder Arbeitsgemeinschaften aus dem Baugewerbe
  • Generalunternehmer, die nicht selbst Bauleistungen ausführen, aber mit dem Leistungsempfänger über die Leistungen von Subunternehmer abrechnen

Diese Steuerpflichtigen fallen unter den Anwendungsbereich des Steuerabzugs für Bauleistungen nach § 48 EStG.

Wir empfehlen die an die Kunden ausgehändigten Freistellungsbescheinigungen zur Bauabzugssteuer zu prüfen. Eine gültige Freistellungsbescheinigung verhindert, dass die Kunden bei Begleichung der Rechnung 15% Bauabzugssteuer einbehalten und diese an das Finanzamt abführen. Gleiches gilt auch für Zahlung durch Aufrechnung. Auch hier muss zum Zeitpunkt der Aufrechnung eine gültige Freistellungsbescheinigung vorliegen.

Hinweis zur Bagatellgrenze

Keine Steuerabzugspflicht besteht, wenn die Gegenleistung im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich die folgenden Freigrenzen nicht übersteigt.

Die Freigenze von 15.000 EUR ist bei Leistungsempfängern anzuwenden, die ausschließlich steuerfreie Vermietungsumsätze nach § 4 Nr. 12 UStG ausführen. Die Freigrenze von 5.000 EUR gilt für steuerpflichtige Umsätze. Hierfür muss der Unternehmer eine Prognose seiner voraussichtlichen Gegenleistung je leistenden Unternehmer erstellen.

Wie kann das Überschreiten der Freigrenze vermieden werden?

Oftmals kann durch die Verschiebung einer Gegenleistung in das Folgejahr das Überschreiten der Freigrenzen von 15.000 EUR bzw. 5.000 EUR verhindert werden.

Was ist zu tun, wenn die Freistellungsbescheinigung für Bauleistungen ungültig ist und was sollten Bauunternehmer beachten?

Ist eine Freistellungsbescheinigung ungültig geworden, sollten Bauunternehmer folgendermaßen vorgehen.

  • Bei ihrem zuständigen Finanzamt ist umgehend eine neue Freistellungsbescheinigung zur Bauabzugssteuer zu beantragen.
  • Diese ist schnellstmöglich nach Erhalt an die Kunden auszuhändigen.
  • Sollten Zahlungen anstehen, verständigen Sie sich über einen Zahlungsaufschub bis die neue Freistellungsbescheinigung vorliegt. Das verhindert den Einbehalt der Bauabzugssteuer von 15 Prozent durch den Auftraggeber.

Gültigkeit der Freistellungsbescheinigung und wann sollten Unternehmer handeln?

Die Freistellungsbescheinigung gilt ab dem Tag der Ausstellung durch das zuständige Finanzamt. Unternehmen sollten 6 Monate vor Ablauf der Bescheinigung einen Antrag auf Erteilung einen neuen Freistellungsbescheinigung stellen. Das Finanzamt erteilt dann eine Folgebescheinigung. Eine automatische Verlängerung erfolgt nicht. Der Antrag muss vom Unternehmer schriftlich gestellt werden.

Was sind Gefährdungstatbestände?

Bereits das Vorhandensein von Steuerrückständen oder die wiederholte Abgabe unrichtiger Steuererklärungen kann als Gefährdungstatbestand angesehen werden. Das Finanzamt kann die Ausstellung einer Freistellungsbescheinigung verweigern. Jedoch darf die Freistellungsbescheinigung vom Finanzamt nicht als Druckmittel für ausstehende Steuerbeträge eingesetzt werden.

Existenzgründer und auftragsbezogene Tätigkeiten

Bei Existenzgründern und Unternehmen, die nur kurzfristig auftragsbezogene Leistungen im Inland ausführen, muss das Finanzamt nach § 48b Abs. 2 EStG eine Freistellungsbscheinigung erteilen. Ein Ermessen hat das Finanzamt in diesen Fällen nicht.

Die Freistellungsbescheinigung aus Sicht des Auftraggebers

Für Unternehmen, die Bauleistungen nach § 48 ff. EStG in Auftrag geben, muss zum Zeitpunkt der Begleichung der erhaltenen Rechnung eine gültige Freistellungsbescheinigung des Auftragnehmers vorliegen. Ist die Freistellungsbescheinigung ungültig muss die Bauabzugssteuer von 15 Prozent einbehalten und an das Finanzamt abgeführt werden. Bei Nichteinbehalt kann das Finanzamt den Auftraggeber für den Betrag in Haftung nehmen.

Die Freistellungsbescheinigung ist ungültig. Was sollten Sie als Auftraggeber tun?

Hat die vom Auftragnehmer ausgehändigte Freistellungsbescheinigung ihre Gültigkeit verloren, empfehlen wir für den Auftraggeber folgende Vorgehensweise.

  • Fordern Sie den Auftragnehmer schriftlich auf, eine gültige Freistellungsbescheinigung zur Bauabzugssteuer vorzulegen.
  • Wird eine Rechnung zur Zahlung fällig und es liegt keine gültige Freistellungsbescheinigung vor, muss aus Gründen der Haftung und deren Vermeidung die Bauabzugssteuer von 15 Prozent einbehalten und an das Finanzamt abgeführt werden. Alternativ könnte auch ein neues Zahlungsziel vereinbart werden. Das neue Zahlungsziel wäre dann das Datum an dem die Freistellungsbescheinigung vorliegt.

Diese Informationen könnten Sie auch interessieren:

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.